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LISBETH N. TRALLORI


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vita

Nadia Trallori's Anliegen konzentriert sich um den Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft, speziell um jenen der Literatur mit der Zeitgeschichte
und gesellschaftspolitischen Diagnosen.
Wesentliches Element ihrer Arbeit ist die Vielfalt an Formen, diese reichen von Filmdokumentationen über Radiobeiträge, Artikel, Bücher bis zur Gestaltung von Lectures am Theater, so mit der Wiener Gruppe „Toxic Dreams“ oder im Rahmen des Theaterfestivals „Britney X“ in Köln, 2017.

Auszeichnungen:
Käthe-Leichter-Preisträgerin sowie Gabriele Possanner Preisträgerin

galeriestudio38.at/LISBETH.N.TRALLORI    lisbeth.trallori  


 



                                                  

text

Schreiben bedeutet für mich etwas Existenzielles – so als würden wir Geburt und Tod selbst in die Hand nehmen.
 

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aktuell


2019

Mittwoch, 20. November, 20 Uhr
Lesung bei bilder.worte.töne LEBENSLINIEN
„Im Meer der Verbannten”, von Maren Rahmann auf dem Akkordeon begleitet.
Auf der äolischen Inselwelt im Tyrrhenischen Meer strandet die Ich-Erzählerin, Stürme und Unwetter verhindern ihre Weiterfahrt.

Als Journalistin entdeckt sie auf der Hauptinsel eine bizarre Liebesgeschichte, sie setzt sich mit der faschistischen Epoche auseinander,
in der Lipari als Verbannungsort und Strafkolonie fungierte, und zieht Parallelen zur heutigen Zeit.

 

bibliografie

 

                    

Mitherausgeberin und Autorin des Sammelbandes: „Otto Bauer und der Austromarxismus“,
Berlin 2008. "Körperpolitische Diskurse im Austromarxismus"

Mitherausgeberin und Autorin der Publikation: „Liebe, Macht und Abenteuer.
Zur Geschichte der Neuen Frauenbewegung in Wien“,
Wien 2013.

DVD zum weiblichen Widerstand gegen das NS-Regime: „Küchengespräche mit Rebellinnen“, (gemeinsam mit K. Berger, E. Holzinger)
Edition „Der Standard“ 2012,
produziert von Agentur Hoanzl (Wien).

  https://youtu.be/RgGOYTNGRa4

Autorin des Werkes: „Der Körper als Ware. Feministische Interventionen.“ Wien  (Mandelbaum) 2015.

Alles sei vermarktbar warum sollte das neoliberale Credo nicht auch für den menschlichen Körper gelten? Wie aber werden Körper, körperliche Funktionen und sein Innerstes zu einem kommerzialisierbaren Objekt?
Ausgangspunkt für die breite Palette an Marktangeboten ist die Idee des Defizitären. Um Mängel auszubessern, körperliche Funktionen zu optimieren oder innovativ zu kreieren, etablierten sich neue Industriezweige: Lebenserschaffende bzw. erhaltende Biotechnologien, der Boom der Plastischen Chirurgie, Fitness- und Schönheitsbranchen ebenso wie die Menschenproduktion im Labor. Was als gesellschaftlich unakzeptabel gilt, erfährt hingegen seine Verwerfung.
In ihren Beiträgen geht Lisbeth N. Trallori den Interessen nach, die zur 'Landnahme' des weiblichen Körpers führten. Ihre Texte aus unterschiedlichen historischen Epochen zeigen auf, inwiefern in der Transformation menschlicher Körperlichkeit grundlegende Regulativa von Herrschaft, Macht und Geschlechterpolitik eingelassen sind, aber auch welche Schienen der 'Modernisierung' diese durchlaufen haben.
'Der Körper als Ware' ist eine Streitschrift wider die Ausbeutung, totale Liberalisierung und Ökonomisierung menschlicher Körper.
Lisbeth N. Trallori ist feministische Sozialwissenschafterin, Archivarin, Protagonistin, Kritikerin und Verteidigerin der Neuen Frauenbewegung/en.

textbeispiele

„Techno-Hoffnung oder: Ei im Glas“ als PDF    

„Stranden an Europas Landen“  

Auskommen mit dem, was ist!
Mit dem Geschmack
der Muscheln
an deinen salzumspülten
Beinen.
Mit dem Anblick
der Wasser-Lilien,
die aus deinen Achselhöhlen
ragen.
Mit der Farbe deines Leibes,
auf dem rosa Quallen ihre Fäden ziehen.
Mit deinem Gesicht,
das zwischen den
Meeressteinen von Lampedusa
gestrandet ist.

Ausschnitt aus dem Romanfragment „Anastas“

Am Nachmittag des zweiten Verhandlungstages saß Jan am Rande eines Schwimmbeckens und überzeugte sich durch einen Blick in den Wasserspiegel, er sei noch immer der Gleiche. Während er solchen Eitelkeiten frönte und sich auf die nächste Runde mental einließ, die Knie locker durchgehängt, wurden ihm Getränke serviert. Kurz darauf ließ sich Schipfer-Wrus im Rollstuhl begleitet von seinem Masseur hereinführen. Das in Mosaiksteinchen ausgelegte Bad hatte der Finanzmann zum Schnittpunkt seines Daseins erkoren. Eine seltene Magie strahlte der Behinderte aus, wohl auf der Diskrepanz zwischen körperlicher und geistiger Kondition basierend, und mit einem nonchalanten Lispeln, um alle Spekulationen von vornherein auszuschalten, hatte er ihn mit den Worten begrüßt: „Sie wissen, man kann mich nicht hineinlegen!“ Ohne die sonst üblich einleitenden Floskeln kamen sie sofort zum Thema. Verblüfft notierte Jan die technische Auffassungsgabe seines Gastgebers, dessen Gespür für komplexe Daten. Er war gewandt genug, seine Ausführungen dem Stil des Finanzgenius anzupassen, den man inzwischen auf ein vollautomatisiertes Sanitätsbett gehievt hatte und der die Massage wie eine Zeremonie über sich ergehen ließ. Geknetet von pavianbehaarten Händen, von Telefon, Fernseher und Videoschirmen, die zu beiden Breitseiten des Bassins den aktuellsten Börsestand aufzeigten, hörte ihm die allmählich in Schweißperlen übergehende Masse scheinbar teilnahmslos zu. An deren Reaktionen aber erkannte Jan, dass sie sich voll und ganz dem Sujet widmete und er wurde von der Schärfe der Fragen überrascht, die wie ein Seziermesser die Offerte analysierten.
Durch die Innentemperatur des Hallenbades waren die Fensterscheiben mit Schwaden aus Dämpfen und Ungewissheit beschlagen. Jan nahm seine randlosen Brillen ab, sie waren bei einem delikaten Punkt angelangt. Schipfer-Wrus verstand durchaus den Grund seines Zögerns, ließ aber durchblicken, dass die verlangten Garantien den hiesigen Verhältnisse nicht angepasst seien. Man habe ja nur grundsätzlich die Modalitäten sondiert. Nun wolle er die Verhandlungspause nutzen, um ihm seine Fischzucht zu zeigen, etwas präziser gefasst handele es sich um eine fischtherapeutische Angelegenheit, eine kühne biogenetische Errungenschaft.
Jan hielt die Ansichten von Schipfer-Wrus über die Fischzucht im Allgemeinen und im Besonderen als legitim. Er habe unsere gewöhnlichen Goldfische mit Zitteraalen kreuzen lassen, und in dem Maße, wie die neue Fischart an die Funktionsfähigkeit der Aale heranreichte - das Nervensystem, der Angriffs- und Abwehrmechanismus und somit der gesamte Reaktionsapparat waren dem der Zitteraale angeglichen -, blieb sie trotzdem in ihrer Größe begrenzt, etwa vergleichbar mit der eines Karpfens oder eines Süßwasserhechts. All dies war notwendig, den Finanzmakler zu einem völlig unprogrammierten Bewegungsablauf zu veranlassen, was nicht geschah, wenn er seine Glieder bei einfachen Tempi im klaren Poolwasser verwendete. Erst wenn die speziell für ihn zuchtmanipulierte Fischart durch ein Seitenbecken in den Pool herein schwimmen und erst durch die Berührung mit ihnen, die noch dazu feine elektrische Impulse bis hin zu Schlägen austeilen konnten, würde sich sein Krankheitsbild nicht verschlechtern, es bliebe stabil. Nach etlichen Drinks hieß es aber: Sobald sein Assistent auftauchte, müsse er, wie er betonte, mit seinen Exerzitien beginnen und dann würde man  bedauerlicherweise die Unterredung abbrechen.
Es steht zu viel am Spiel, dachte Jan und war bereit, die Verhandlungen bis auf weiteres zu verschieben.
 „Hätten Sie Mauthausen überlebt“, sagte nach einer Weile Schipfer-Wrus, „würde ihnen niemand trauen. Ich weiß, wovon ich spreche.“ Die Zeit drängte und am Schaltbrett waltete bereits der Assistent, zugleich ein Elektrospezialist, seiner heiklen Mission, vor ihm ein mit rhythmischen Klecksen bedrucktes Papier. „Meine Partitur des Schmerzes“, lächelte Schipfer-Wrus, bevor er sich in das Bad hinein gleiten ließ. Die Geschichte der Rassen sei eine sentimentale, fügte er noch hinzu. Verfolge man sie genauer, gäbe es nichts anderes als Gefühle, die überschätzt oder missachtet wurden und schließlich verhängnisvolle Krisen bis hin zu den entsetzlichsten Gräueltaten in der Menschheitsgeschichte heraufbeschworen, unlösbar durch die sich jeglicher Normalität entziehenden Gefühle. Bevor er zum Ausgang geleitet wurde, warf Jan noch einen Blick auf den inmitten aufschäumender Wellen nach Luft ringenden Finanzmann. Wie machtlos doch reiner Wille auch sein mag, es tröstete nicht. Die Nacht hatte Jan umfangen.


 

2019

2. Oktober Präsentation beim Künstler*innenstammtisch im Mani am Markt
"Zwischen Wissenschaft und Literatur" EINLADUNG als PDF
12. April Pannonisches Wortquintett unter sich Großhöflein
16. Februar
Lesung mit dem Literarischen Wortquintett plusminus
Heiteres und weniger Erheiterndes zum Fasching Jour fixe am 16. im 16.
 

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